Kerbel – Herkunft und Geschichte

Gewürz Kerbel Ob Kerbel zu den Gewürzpflanzen oder zu den Heilkräutern gehört, war schon in früheren Zeiten nicht eindeutig geklärt. Die alten Ägypter scheinen diese Frage ganz pragmatisch geklärt zu haben. Sie sahen das Doldengewächs wohl einfach als Lebensmittel an, wenn man die Grabbeigabe für den Pharao Tutenchamun richtig deutet: ein Körbchen mit Kerbelsamen. Es war wohl als Wegzehrung für die Reise ins Jenseits gedacht. Die Römer dagegen schätzten die Pflanze wegen der Eigenschaften als Gewürz, wie man im ältesten uns bekannten Kochbuch nachlesen kann. Apicius beschrieb bereits im Jahre 1. Jh. n.Chr. die hervorragende Harmonie zwischen Kerbel und Hühnergerichten und sein Zeitgenosse Plinius beschrieb ausführlich, wie man das nützliche Kraut am besten anbaut.

Auch im weiteren ursprünglichen Verbreitungsgebiet Kaukasus und Südrussland schätzte man den Geschmack – eine Mischung aus Petersilie und Anis - und die wertvollen Inhaltsstoffe als Beigabe in Suppen. Neben den Römern und den Ägyptern war Kerbel in der Antike auch schon den Griechen bekannt. Die wollten allerdings den wirklichen Wert dieser Pflanze für die Küche nicht so recht schätzen. Dafür aber vermutete man, es sei das Blatt des Glücks und zwar nicht nur deshalb, weil es als Heilmittel gegen Schluckauf galt. Zudem hielt man es für ein Verjüngungsmittel.

Kerbel wurde auf See- und Landwegen, wie viele andere Gewürze und Kräuter, nach Europa gebracht, wo er zuerst in Frankreich, wiederum in der Küche, Beachtung fand. Zusammen mit Schnittlauch, Petersilie und Estragon ist er noch heute als Kräutermischung Fines Herbes sehr beliebt. Die Eigenschaften von Kerbel als Heilkraut wurde spätestens im frühen Mittelalter entdeckt. In einer Überlieferung aus dieser Zeit heißt es: „… bey den Gesunden und Krancken … nützlich mag gebrauchet werden … es ist dem Magen und Haubt gesund … es reinigt das Geblüt …“ Diese Entdeckung der Heilkraft wird heute noch hoch geschätzt.

Die blutreinigende und entschlackende Wirkung, sowie die verdauungsanregenden Eigenschaften finden nicht nur in der Naturheilkunde Beachtung. Die Erkenntnis, dass Kerbel auch gut für die Nieren ist und sogar bei Hautunreinheiten hilft, hat dem Kraut bei seiner Einstufung als Heilkraut ebenfalls geholfen. Auch Hildegard von Bingen, die Klosterschwester, die bis heute als Spezialistin für Heilkräuter gilt, widmete einen Teil ihrer Forschungen dem Kerbel. Sie konstatierte allerdings, dass die Pflanze nur bei „Bruchwunden der Eingeweide“ nützlich sei, und ansonsten handle es sich um ein nutzloses Kraut.

Aus der Zeit des Mittelalters stammen auch die mystischen Eigenschaften, welche dem Kerbel zugeschrieben wurden. So galt es beispielsweise als Hexenkraut, weil man ihm unterstellte, er könne gegen die gefürchtete Pest genauso helfen, wie gegen den Biss eines tollwütigen Tieres. Zum Glück haben wir heutzutage gegen solche Heimsuchungen andere, wirksamere Mittel. Aber die unterstützende Wirkung bei Entschlackungskuren und andere Eigenschaften, welche den Kerbel zum Heilkraut machen, wird auch in unserer Zeit geschätzt. Als Verfeinerung von Suppen, Soßen und Fleischgerichten erfährt er auch als Gewürz Beachtung. Mittlerweile findet man weltweit Anbaugebiete für Kerbel, und auch in unseren heimischen Gärten findet man ihn immer häufiger. Die Pflanze lässt sich auch gut im Topf auf dem Balkon oder der Fensterbank ziehen.

Übrigens, ein bisschen Mystik hat sich bis in unsere Zeit hinüber gerettet: in vielen Familien gibt es traditionell am Gründonnerstag eine Kerbelsuppe, um das Ende der Fastenzeit und die bevorstehende Auferstehung Jesu zu würdigen.